“Vorzeigebehinderungen”, Teil 2.

Körperlich Behinderte fahren immer Rollstuhl

Im ersten Teil ging es um Sehbehinderungen, hier geht es um motorisches. Der „Vorzeigebehinderte“ für motorische Einschränkungen ist meistens – genau – Rollstuhlfahrer. Warum?

Die Frage ist – meiner Meinung nach – einfach zu beantworten: Er ist am auffälligsten. Sein Hilfsmittel ist das größte (räumlich) und schränkt immer noch extrem ein: Treppen sind tabu, Rampen/Gefälle dürfen nicht zu stark sein.

Krücken sind auch ein beliebtes Hilfmittel, neben Gehstöcken, sind aber bei weitem nicht so sperrig wie ein Rollstuhl.

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Rollstühle an Bahnhöfen

Auf dem Heimweg von Hamburg, letztes Jahr im August, waren wir Zeuge einer „Verladung“ von Rollstuhlfahrern, auf jeden Fall Sportler. Die beiden, ein Junge, ein Mädel (ich sag das jetzt mal so), hatten jeder einen Rennrollstuhl an der Hand und einen, auf dem sie saßen.

Für mich ein interessantes Bild, ich habe bis dahin die Rennrollstühle nur aus den Fernsehnachrichten, wenn Paralympics mal gezeigt wurden. Aus der Nähe betrachtet wirkt so ein „Rennrolli“ sehr beeindruckend, wenn man ein bisschen technische Ahnung hat. Zumindest empfand ich den Rennrollstuhl beeindruckend.

Interessant war an dem ganzen aber noch was anderes: Ich habe außer den beiden keinen dazu gehörenden Helfer entdecken können. Zwei Rollstuhlfahrer, 4 Rollstühle, Rucksäcke. Wahnsinn. Wenn ich das bedenke, dazu gehört ein immenser Aufwand, denn wenn ich mir unseren lokalen Bahnhof so ansehe: dort ist man als Rollstuhlfahrer wirklich aufgeschmissen, wenn man außerhalb der Zeiten von Mo-Fr. 06-18 Uhr Zug fahren möchte. Auf einem anderen Gleis als Nr.1. Treppen sind meines Wissens eine ziemliche Belastung.

Wenn ich mir überlege, welche relativ kleinen Änderungen es ermöglichen würden, auch einen kleinen Bahnhof barrierefrei, wenigstens aber barrierearm zu machen, was in den meisten Fällen schon ein gigantischer Fortschritt wäre, ist es echt armselig, dass es bei den meisten Bahnhöfen immer noch nicht der Fall ist. (Aber was man von der Bahn erwarten kann, hat man die Tage ja gesehen. Die werfen das Geld lieber für Stasi-Methoden raus. Oder Abmahnungen.)

Ich will mit der ganzen Geschichte auch keinem auf die Füße treten, aber ich bin davon ausgegangen, dass man als Rollstuhlfahrer – wenigstens bei größeren Fahrten – einen nicht-eingeschränkten Begleiter dabei hat. Die zwei kamen allerdings fast ohne eigene fremde Hilfe aus, lediglich beim Verstauen der Rennrollis half ein Bahnmitarbeiter mit Hebebühne, die es wohl extra für solche Fälle gibt.

Mich hat das jedenfalls wahnsinnig beeindruckt, wie selbstverständlich und souverän die beiden mit der ganzen Situation „Bahn fahren“ umgegangen sind. Ich weiss nicht, ich das so könnte. Ganz ehrlich: Hut ab vor solchen Menschen.

Behindertenparkplätze

Da ich gerade mal ein paar Blogs über Behinderung in die Linkliste aufgenommen habe, fiel mir zum Thema „Behindertenparkplätze“ gleich auch etwas ein: Diese Parkplätze sind nicht zum Spass da. Sie sind keine Mutprobenparkplätze (nach dem Motto, „mal sehen, ob Du dich traust, auf den Behindi-Parkplatz zu fahren“) und auch nicht für geistig Behinderte, die meinen, nur weil der schön nah und unbenutzt ist, kann man sich da mal hinstellen.

Es gibt ja solche Menschen, die sich für wichtiger als andere halten. Ganz besonders die armen Würstchen mit ihren Q7, A4 und X5. (Leider sind es meistens genau solche Leute). Die haben es ja nicht verdient, 20 Meter mehr zu laufen und so viele Behinderte gibt es ja nicht, dass der Parkplatz frei sein sollte, und wenn, dann fahr ich halt weg. Soziale Schwarzfahrer sind das. Ich persönlich brauche keinen solchen Parkplatz, aber immer, wenn ich Menschen, denen kein körperliches Gebrechen anzusehen ist, auf einem solchen Parkplatz sehe, kommt mir die Galle hoch.

Bei Behindertenparkplatz.de fand ich übrigens ein paar nette Schilder für Behindertenparkplätze. Bis es auch die letzten Deppen kapieren. Allerdings wird das vermutlich noch ganz schön lange dauern.

Bis jetzt habe ich auch noch keine aktive Strategie entwickelt, wie man diese Deppen, die den Menschen, für die diese Parkplätze gemacht wurden, ihre Parkplätze wegnehmen, auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen könnte. Freundlich natürlich und nicht wie bei belauscht.de beschrieben (Auch die Kommentare lesen!). Die Gefahr, von einem Geländewagenfahrer auf die Fresse zu bekommen, als kleiner Klugscheisser, ist ja bei solchen Menschen immer recht hoch. Sind ja Tiere rauhe Naturburschen, diese Menschen.